Tenosynovitis (infektiös, stenosierend)
Was ist eine Tenosynovitis?
Tenosynovitis (Sehnenscheidenentzündung) ist die Entzündung der flüssigkeitsgefüllten Scheide (Synovialis), die eine Sehne umgibt (1, 2). Sehnen sind Gewebestränge, die Muskeln mit Knochen verbinden, und die Synovialscheide produziert Flüssigkeit, damit die Sehne bei Bewegungen reibungslos gleiten kann. Wenn sich diese Scheide entzündet, kann dies zu Schmerzen, Schwellungen und Schwierigkeiten bei der Bewegung des zugehörigen Gelenks oder der Gliedmaße führen.
Eine Tenosynovitis betrifft häufig die Sehnen im Bereich von Handgelenk, Hand, Fingern, Knöchel und Fuß (1). Obwohl der Begriff manchmal weit gefasst verwendet wird, gibt es spezifische Arten, die auf der Ursache und dem Erscheinungsbild basieren.
Arten der Tenosynovitis
Die Tenosynovitis kann basierend auf ihrer Ursache und ihren Merkmalen grob kategorisiert werden:
Infektiöse Tenosynovitis
Dies ist ein ernster Zustand, der durch Bakterien verursacht wird, die in die Sehnenscheide eindringen, oft durch eine Stichwunde, einen Schnitt, einen Biss oder durch Ausbreitung von einer nahegelegenen Infektion (z. B. Panaritium, Paronychie) (3, 4). Am häufigsten sind die Beugesehnen der Hand betroffen.
- Symptome: Schnelles Einsetzen starker Schmerzen, gleichmäßige Schwellung entlang des betroffenen Fingers/Sehnenverlaufs, erhebliche Schmerzen bei passiver Streckung des Fingers und eine leicht gebeugte Haltung des Fingers (Kanavel-Zeichen) (3, 4). Fieber und Anzeichen einer systemischen Erkrankung können vorhanden sein.
- Bedeutung: Dies ist ein chirurgischer Notfall, der eine sofortige Diagnose und Behandlung erfordert, um Sehnennekrosen, Adhäsionsbildungen und einen dauerhaften Funktionsverlust zu verhindern (3).
Nicht-infektiöse entzündliche Tenosynovitis
Diese Art tritt als Teil einer systemischen entzündlichen Erkrankung auf, wie z. B. (1):
- Rheumatoide Arthritis (RA)
- Psoriasis-Arthritis
- Gicht
- Andere Bindegewebserkrankungen
Die Entzündung wird durch den zugrunde liegenden autoimmunen oder entzündlichen Prozess angetrieben. Zu den Symptomen gehören oft Schmerzen, Schwellungen, Steifheit und manchmal Wärme über den betroffenen Sehnenscheiden, die oft symmetrisch oder an mehreren Stellen auftreten.
Stenosierende Tenosynovitis
Diese Kategorie umfasst ein mechanisches Problem, bei dem die Sehne aufgrund einer Verdickung der Sehne, der Scheide oder einer nahegelegenen Bandstruktur (Retinaculum), die eine Verengung erzeugt, nicht reibungslos in ihrer Scheide gleiten kann (1, 5). Dies hängt oft mit wiederholter Beanspruchung oder anatomischen Faktoren zusammen. Wichtige Beispiele sind:
- De-Quervain-Krankheit: Betrifft die Sehnen auf der Daumenseite des Handgelenks (Abductor pollicis longus und Extensor pollicis brevis im ersten dorsalen Sehnenfach). Verursacht Schmerzen und Druckempfindlichkeit am Processus styloideus radii, die sich bei Daumen- und Handgelenksbewegungen verschlimmern (5).
- Schnellender Finger/Daumen (Stenosierende Beugetenosynovitis): Betrifft die Beugesehnen der Finger oder des Daumens beim Durchtritt durch ein Ringbandsystem (typischerweise das A1-Ringband) an der Basis des Fingers. Die Sehne oder das Ringband verdickt sich, was zu einem Hängenbleiben, Blockieren oder Schnappen (Triggern) während der Fingerbeugung/-streckung führt, oft begleitet von Schmerzen (1, 5).
Krepitierende Tenosynovitis
Auch bekannt als akute unspezifische oder Reibungstenosynovitis, wird diese Art typischerweise durch akute Überbeanspruchung oder wiederholte Reibung zwischen einer Sehne und ihrer Scheide verursacht, oft ohne signifikante zugrunde liegende Verengung (1). Sie betrifft häufig die Strecksehnen des Unterarms, insbesondere in der Nähe des Handgelenks.
- Symptome: Gekennzeichnet durch Schmerzen, Schwellungen und ein deutliches tastbares oder hörbares Reibegeräusch (Krepitation) bei Sehnenbewegung (1).
- Ursache: Tritt häufig bei Personen auf, die mit neuen, sich wiederholenden Aufgaben beginnen (z. B. Tippen, manuelle Arbeit, Sportarten wie Rudern).
Ursachen und Risikofaktoren
Spezifische Ursachen variieren je nach Art:
- Infektiös: Bakterielle Inokulation (Staphylococcus aureus und Streptococcus-Arten sind häufig) durch Trauma (3, 4).
- Entzündlich: Zugrunde liegende systemische Autoimmun-/Entzündungserkrankung (1).
- Stenosierend/Krepitierend: Wiederholte Belastung, Überbeanspruchung, ungünstige Körperhaltungen, direktes Trauma, hormonelle Veränderungen (z. B. Schwangerschaft/Wochenbett bei De-Quervain), Diabetes (erhöht das Risiko für einen schnellenden Finger) (1, 5).
Symptome
Häufige Symptome bei allen Arten sind (1, 2):
- Schmerzen entlang der betroffenen Sehne, die sich bei Bewegung verschlimmern.
- Schwellung und Druckempfindlichkeit über der Sehnenscheide.
- Schwierigkeiten bei der Bewegung des betroffenen Gelenks oder Fingers.
- Rötung und Wärme (insbesondere bei infektiösen oder akuten entzündlichen Arten).
- Spezifische Zeichen:
- Infektiös: Kanavel-Zeichen (gebeugte Haltung, spindelförmige Schwellung, Druckempfindlichkeit entlang der Scheide, Schmerzen bei passiver Streckung) (3, 4).
- Krepitierend: Tastbare/hörbare Krepitation oder Reiben bei Bewegung (1).
- Stenosierend (Schnellender Finger): Hängenbleiben, Blockieren, Schnappen, tastbarer Knoten (1, 5).
- Stenosierend (De-Quervain): Schmerzen am radialen Handgelenk, positiver Finkelstein-Test (5).
Diagnose
Die Diagnose stützt sich stark auf die klinische Anamnese und die körperliche Untersuchung, ergänzt durch Untersuchungen nach Bedarf (1, 2):
- Anamnese: Beginn der Symptome, Ort/Art der Schmerzen, verschlimmernde/lindernde Faktoren, Vorhandensein von Trauma-/Infektionsrisiken, berufliche/freizeitliche Aktivitäten, Vorgeschichte entzündlicher Erkrankungen.
- Körperliche Untersuchung:
- Inspektion: Suche nach Schwellung, Rötung, Deformität, Haltung der Finger.
- Palpation: Identifizierung genauer Bereiche von Druckempfindlichkeit, Wärme, Schwellung, Krepitation oder Knoten.
- Bewegungsumfang: Beurteilung der aktiven und passiven Bewegung, Schmerzreproduktion, spezifische Provokationstests (z. B. Finkelstein-Test bei De-Quervain, Prüfung auf Schnappen beim schnellenden Finger, Schmerzen bei passiver Streckung bei infektiösen Ursachen) (3, 5).
- Neurologische/vaskuläre Beurteilung: Besonders wichtig in infektiösen Fällen oder wenn eine Nervenbeteiligung vermutet wird.
- Laboruntersuchungen:
- Bei Verdacht auf infektiöse Tenosynovitis: Großes Blutbild (CBC), Entzündungsmarker (BKS, CRP), Blutkulturen. Aus der Scheide aspirierte Flüssigkeit sollte zur Gram-Färbung, Kultur und Empfindlichkeitsprüfung eingesandt werden (3).
- Bei Verdacht auf entzündliche Tenosynovitis: Tests im Zusammenhang mit zugrunde liegenden Erkrankungen (z. B. Rheumafaktor, Anti-CCP, ANA, Harnsäure).
- Bildgebende Verfahren:
- Ultraschall: Oft sehr nützlich für nicht-infektiöse Arten. Kann Scheidenverdickung, Flüssigkeitsansammlung (Erguss), Hyperämie (erhöhter Blutfluss im Doppler), Sehnenverdickung/-risse und eine dynamische Beurteilung des Sehnengleitens oder Schnappens zeigen (1, 6). Kann Injektionen steuern.
- Röntgenaufnahmen: Werden in erster Linie verwendet, um Frakturen, Fremdkörper oder Knochen-/Gelenkbeteiligungen (z. B. Arthritis, Osteomyelitis) auszuschließen.
- MRT: Kann detaillierte Bilder von Sehnen, Scheiden und umgebenden Strukturen liefern, wird jedoch seltener benötigt als Ultraschall, es sei denn, die Diagnose ist unklar oder es werden Komplikationen vermutet (1).
Behandlung
Die Behandlung hängt stark von der spezifischen Art und Schwere der Tenosynovitis ab.
Behandlung der infektiösen Tenosynovitis
Dies erfordert ein dringendes Management (3, 4):
- Krankenhauseinweisung: In der Regel erforderlich.
- Antibiotika: Zunächst intravenöse (IV) Breitbandantibiotika, angepasst an die Kulturergebnisse.
- Chirurgische Drainage und Spülung: Ein sofortiger chirurgischer Eingriff ist oft notwendig, um Eiter abzuleiten und die Sehnenscheide gründlich zu spülen.
- Ruhigstellung: Schienung der betroffenen Hand/Gliedmaße in einer sicheren Position.
- Hochlagern: Zur Reduzierung der Schwellung.
- Handtherapie: Frühzeitige kontrollierte Bewegungsübungen nach Infektionskontrolle, um Verwachsungen und Steifheit zu vermeiden.
Zur Vorbeugung gehören eine ordnungsgemäße Wundversorgung und die frühzeitige Behandlung lokaler Infektionen (z. B. Paronychie, Panaritium).
Behandlung der nicht-infektiösen / krepitierenden Tenosynovitis
Konzentriert sich auf die Reduzierung von Entzündungen und Reibung (1, 2):
- Ruhe/Aktivitätsanpassung: Vermeidung verschlimmernder Aktivitäten.
- Ruhigstellung: Schienung des betroffenen Bereichs (z. B. Handgelenk-Orthese, Knöchelorthese), damit sich die Sehnenscheide erholen kann.
- NSAR: Orale oder topische entzündungshemmende Medikamente.
- Eisanwendung: Zur Linderung von Schmerzen und Schwellungen.
- Physiotherapie (Physikalische Therapie): Modalitäten wie Ultraschall oder Iontophorese können anfänglich eingesetzt werden. Später Fokus auf sanftes Dehnen und allmähliche Kräftigung. Eine ergonomische Beurteilung und Anpassung kann von Vorteil sein.
- Kortikosteroid-Injektion: Gelegentlich bei anhaltender Entzündung eingesetzt, aber oft weniger wirksam bei rein reibungsbedingten Arten als bei stenosierenden oder entzündlichen Arten.
Behandlung der stenosierenden Tenosynovitis
Zielt darauf ab, die Verengung zu lindern (1, 5):
- Aktivitätsanpassung/Schienung: Reduzierung sich wiederholender Bewegungen, Verwendung von Daumenschienen bei De-Quervain oder Vermeidung von Greifbewegungen beim schnellenden Finger.
- NSAR: Können eine gewisse Schmerzlinderung bewirken, beheben das mechanische Problem jedoch nicht effektiv.
- Kortikosteroid-Injektion: Oft die Erstlinienbehandlung sowohl für De-Quervain als auch für den schnellenden Finger. Eine Injektion in die betroffene Sehnenscheide/das betroffene Fach kann Entzündungen und Verdickungen reduzieren und oft eine signifikante Linderung bewirken. Muss möglicherweise wiederholt werden.
- Chirurgische Spaltung: Wenn konservative Maßnahmen und Injektionen fehlschlagen, ist eine Operation zur Spaltung des verengten Fachs (De-Quervain) oder des A1-Ringbands (schnellender Finger) sehr effektiv.
Eine späte oder unzureichende Behandlung nicht-infektiöser Arten, insbesondere stenosierender Formen, kann zu anhaltenden Schmerzen, eingeschränkter Funktion und manchmal zu Sehnendegeneration oder -ruptur führen.
Differentialdiagnose
Erkrankungen, die eine Tenosynovitis nachahmen können, umfassen (1, 2):
| Erkrankung | Wichtige Unterscheidungsmerkmale |
|---|---|
| Tendinopathie/Tendinitis | Entzündung oder Degeneration innerhalb der Sehnensubstanz selbst, nicht primär der Scheide. Der Schmerz ist auf die Sehne lokalisiert. Die Schwellung kann weniger diffus sein als bei einer Tenosynovitis. |
| Arthritis | Entzündung im Gelenk selbst. Schmerzen und Schwellungen sind auf den Gelenkspalt lokalisiert, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit (nicht nur Sehnengleiten). Röntgenbilder können Gelenkveränderungen zeigen. |
| Nervenkompression | (z. B. Karpaltunnelsyndrom, Tarsaltunnelsyndrom). Schmerzen werden oft als brennend, kribbelnd, taub beschrieben. Die Symptome folgen der Nervenverteilung. Kann positive Provokationstests (Phalen, Tinel) aufweisen. |
| Ganglion (Überbein) | Flüssigkeitsgefüllter Sack, der von einer Gelenkkapsel oder Sehnenscheide ausgeht. Präsentiert sich normalerweise als deutlicher, tastbarer Knoten, oft in der Nähe des Handgelenks. Kann manchmal dumpfe Schmerzen oder Nervenkompression verursachen. |
| Zellulitis/Abszess | Oberflächliche Hautinfektion oder lokalisierte Eiteransammlung. Präsentiert sich mit Rötung, Wärme, Schwellung, Druckempfindlichkeit, die eher auf Haut/Unterhautgewebe lokalisiert ist als entlang einer Sehnenscheide. Kann mit Fieber einhergehen. Unterscheidet sich von tiefer infektiöser Tenosynovitis. |
| Bursitis | Entzündung eines Schleimbeutels (Flüssigkeitssack, der Gelenke/Sehnen polstert). Lokalisierte Schmerzen und Schwellungen über dem Schleimbeutel (z. B. Olecranon, präpatellar, retrokalkaneal). |
Referenzen
- Abrams RA, Brown RA, Botte MJ. The pathogenesis and treatment of tendinitis and tenosynovitis. Instr Course Lect. 1999;48:275-286. (Allgemeiner Überblick)
- Cluett J. Overview of Tenosynovitis. Verywell Health. Aktualisiert am 08. November 2023.
- Pang HN, Teoh LC, Yam AK, Lee JY, Puhaindran ME, Tan AB. Factors affecting the prognosis of pyogenic flexor tenosynovitis. J Bone Joint Surg Br. 2007;89(12):1742-1745. doi:10.1302/0301-620X.89B12.19847
- Kennedy CD, Lauder AS, Pribaz JR, Kennedy SA. Infectious Flexor Tenosynovitis. Hand Clin. 2017;33(3):445-454. doi:10.1016/j.hcl.2017.04.004
- Ryzewicz M, Wolf JM. Trigger digits: principles, management, and complications. J Hand Surg Am. 2006;31(1):135-146. doi:10.1016/j.jhsa.2005.09.009
- Grassi W, Filippucci E, Farina A, Cervini C. Sonography of the wrist and hand. Semin Musculoskelet Radiol. 2001;5(2):173-186. doi:10.1055/s-2001-15692
Siehe auch
- Achillessehnenentzündung (Paratenonitis, Achillobursitis)
- Achillessehnenverletzung (Verstauchung, Ruptur)
- Verstauchung von Knöchel und Fuß
- Arthritis und Arthrose (Osteoarthritis):
- Autoimmunerkrankungen des Bindegewebes:
- Ballenzeh (Hallux valgus)
- Epikondylitis ("Tennisarm")
- Hygrom (Ganglion)
- Gelenkankylose
- Gelenkkontrakturen
- Gelenkluxation:
- Verletzung des Kniegelenks (Bänder und Meniskus)
- Metabolische Knochenerkrankung:
- Myositis, Fibromyalgie (Muskelschmerzen)
- Plantarfasziitis (Fersensporn)
- Tenosynovitis (infektiös, stenosierend)
- Vitamin D und Parathormon




