Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose)
Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose): Übersicht & Ursachen
Die Hüftgelenksarthrose (OA), auch bekannt als Coxarthrose, ist eine degenerative Erkrankung, die das Hüftgelenk betrifft [1, 2]. Sie ist primär durch den Abbau und Verlust des Gelenkknorpels gekennzeichnet, der den Femurkopf und das Acetabulum (Hüftpfanne) bedeckt [1, 2]. Dies führt zu nachfolgenden knöchernen Veränderungen, einschließlich der Bildung von marginalen Osteophyten (Knochenspornen), Gelenkspaltverschmälerung und subchondraler Knochensklerosierung (Verhärtung), was letztendlich zu Gelenkdeformitäten, Schmerzen, Steifheit und einer beeinträchtigten Hüftfunktion führt [1, 2].
Die Coxarthrose ist grundlegend ein degenerativer Prozess („Verschleiß“), der oft durch biomechanische Faktoren, Alterung und Genetik beeinflusst wird, anstatt primär durch systemische Entzündungen oder Stoffwechselstörungen, die Salzablagerungen verursachen, angetrieben zu werden, obwohl sekundäre Entzündungen auftreten können [1, 2]. Obwohl metabolische Knochenerkrankungen existieren, beinhaltet die typische Arthrose eine Knorpeldegeneration und nicht zwingend Salzablagerungen als primäre Ursache. Häufige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Hüftarthrose umfassen [1, 2]:
- Alter: Das Risiko steigt mit dem Alter deutlich an.
- Genetik: Die Familienanamnese spielt eine Rolle.
- Adipositas: Erhöhte mechanische Belastung des Hüftgelenks.
- Frühere Hüftverletzungen: Frakturen mit Gelenkbeteiligung, Luxationen, Labrumrisse.
- Entwicklungsbedingte Hüfterkrankungen: Wie die Hüftdysplasie (DDH) oder Morbus Legg-Calvé-Perthes, die die Gelenkmechanik verändern.
- Femoroacetabuläres Impingement (FAI): Anormaler Kontakt zwischen Femur und Acetabulum während der Bewegung.
- Berufliche Faktoren: Tätigkeiten, die schweres Heben oder wiederholte Belastungen beinhalten.
Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose): Diagnose
Um eine Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) genau zu diagnostizieren und das Ausmaß der Gelenkveränderungen zu beurteilen, sind in der Regel mehrere Schritte erforderlich [1, 2]:
- Klinische Bewertung: Beinhaltet eine detaillierte Anamnese mit Fokus auf Hüft- oder Leistenschmerzen (Lokalisation, Charakter, verschlimmernde/lindernde Faktoren), Steifheit (besonders nach Ruhephasen), funktionelle Einschränkungen (Gehen, Treppensteigen, Anziehen) und Risikofaktoren. Die körperliche Untersuchung beurteilt den Bewegungsumfang (oft eingeschränkte Innenrotation und Beugung), das Gangbild, Schmerzen bei bestimmten Bewegungen und Druckempfindlichkeit.
- Bildgebende Verfahren:
- Röntgen: Belastungsaufnahmen des Beckens (ap) und seitliche Aufnahmen der betroffenen Hüfte sind Standard. Wichtige Befunde zur Bestätigung der OA umfassen Gelenkspaltverschmälerung (besonders superior oder superolateral), Osteophytenbildung (Knochensporne um den Femurkopf und das Acetabulum), subchondrale Sklerosierung (erhöhte Knochendichte unter dem Knorpel) und subchondrale Zystenbildung [1, 2, 3].
- MRT des Hüftgelenks: Für die routinemäßige OA-Diagnose nicht typischerweise erforderlich, aber nützlich zur Beurteilung begleitender Weichteilprobleme (Labrumrisse, Sehnenprobleme), zur detaillierten Beurteilung des Knorpelstatus, zur Erkennung früher Anzeichen einer avaskulären Nekrose (AVN), die OA-Schmerzen imitieren kann, oder zum Ausschluss anderer Ursachen für Hüftschmerzen [3].
- CT der Hüftgelenke: Wird primär zur detaillierten knöchernen Beurteilung verwendet, z. B. zur Charakterisierung komplexer Anatomie (z. B. FAI-Morphologie) oder zur Operationsplanung [3].
- Laboruntersuchungen (Großes Blutbild, etc.): Bei primärer OA im Allgemeinen unauffällig und hauptsächlich verwendet, um eine entzündliche Arthritis oder andere systemische Erkrankungen auszuschließen, falls diese aufgrund des klinischen Bildes vermutet werden [1, 2].
Differentialdiagnose von Hüftschmerzen
| Erkrankung | Hauptmerkmale / Unterscheidungsmerkmale | Typische Untersuchungen / Befunde |
|---|---|---|
| Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) | Allmählich einsetzende Leisten-/vordere Hüft-/Gesäßschmerzen, schlimmer bei Aktivität/Belastung, bessern sich in Ruhe. Morgensteifigkeit (<30 Min.). Eingeschränkte Innenrotation/Beugung. Häufigeres Auftreten im höheren Alter. | Röntgen: Gelenkspaltverschmälerung (besonders superior), Osteophyten, Sklerose, Zysten. Laborwerte normal. |
| Entzündliche Arthritis (z. B. RA, SpA) | Schmerzen oft in Ruhe vorhanden, anhaltende Morgensteifigkeit (>30-60 Min.). Kann andere Gelenke betreffen. Systemische Symptome möglich. | Erhöhte BSG/CRP. Spezifische Autoantikörper (RF, Anti-CCP, HLA-B27). Röntgen kann Erosionen, gleichmäßige Gelenkspaltverschmälerung zeigen. MRT zeigt Synovitis. |
| Trochanter-Bursitis / Gluteale Tendinopathie | Schmerz lokalisiert an der lateralen Seite der Hüfte (über dem Trochanter major). Schlimmer beim Liegen auf der betroffenen Seite, Gehen, Treppensteigen. | Druckschmerz über dem Trochanter major. Schmerz bei Hüftabduktion gegen Widerstand. Hüftgelenksbeweglichkeit meist normal. Ultraschall/MRT kann Bursitis/Sehnenrisse zeigen. Röntgen meist normal. |
| Avaskuläre Nekrose (AVN) des Femurkopfes | Leistenschmerz, oft plötzlicher Beginn oder rasch fortschreitend. Kann Risikofaktoren aufweisen (Steroidgebrauch, Alkohol, Trauma, Sichelzellanämie). Schmerz oft stark, auch in Ruhe vorhanden. | Röntgen kann anfangs normal sein, zeigt später Femurkopfveränderungen (Crescent-Zeichen, Kollaps). MRT ist am empfindlichsten für eine frühe Diagnose. |
| Femoroacetabuläres Impingement (FAI) / Labrumriss | Oft jüngere/aktive Erwachsene. Aktivitätsbedingte vordere Hüft-/Leistenschmerzen, Klicken, Blockieren, eingeschränkte Beugung/Innenrotation (positive Impingement-Tests). | Klinische Untersuchung (FADIR-Test). Röntgen kann Cam-/Pincer-Morphologie zeigen. MRT/MR-Arthrographie bestätigt Labrumriss, Knorpelschaden. |
| Lumbale Radikulopathie / Ausstrahlender Schmerz | Schmerz strahlt vom Rücken in Gesäß/Hüfte/Bein aus (oft posterior/lateral). Kann mit Rückenschmerzen, Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schwäche einhergehen. Hüftgelenksuntersuchung meist normal. | Klinische Untersuchung deutet auf lumbale Ursache hin (Lasègue-Zeichen, neurologische Untersuchung). LWS-MRT bestätigt Nervenwurzelkompression (Bandscheibenvorfall, Stenose). |
| Hüftfraktur (Schenkelhals / Intertrochantär) | Traumaanamnese (oft Sturz bei Älteren). Starke Schmerzen, Unfähigkeit zur Gewichtsbelastung. Bein oft verkürzt und außenrotiert. | Röntgen bestätigt Fraktur. MRT/CT für okkulte Frakturen. |
| Meralgia Paresthetica | Brennender Schmerz, Taubheitsgefühl, Kribbeln isoliert am anterolateralen Oberschenkel (nur sensorisch). Aufgrund einer Einklemmung des N. cutaneus femoris lateralis. | Klinische Diagnose basierend auf typischer sensorischer Verteilung. Normale Hüftuntersuchung/-bildgebung. Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen können helfen. |
Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose): Behandlung
Abhängig vom Grad der Schädigung des Hüftgelenks durch Arthrose (Coxarthrose) können folgende therapeutische Maßnahmen indiziert sein [1, 2]:
- Medikamentöse Therapie: NSAR, Analgetika (z. B. Paracetamol). Opioide werden bei starken Schmerzen mit Vorsicht eingesetzt. Duloxetin wird manchmal verwendet.
- Intraartikuläre Injektionen: Kortikosteroide zur vorübergehenden Linderung von Schmerzen/Entzündungen; Hyaluronsäure (Viskosupplementation) kann einen gewissen Nutzen bieten; die Wirksamkeit von plättchenreichem Plasma (PRP) wird noch untersucht.
- Manuelle Therapie: Myofasziale Entspannung und Gelenkmobilisationstechniken zur Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung.
- Physiotherapie: Modalitäten wie Wärme/Kälte, Ultraschall (UHF), TENS (SMC - Sinusoidal Modulated Currents bezieht sich wahrscheinlich auf TENS/Interferenzstrom), zur Symptomkontrolle.
- Medizinische Trainingstherapie: Wesentlicher Bestandteil, einschließlich Kräftigung (Hüftabduktoren, -extensoren, Rumpf), Flexibilität und schonendes aerobes Training (Schwimmen, Radfahren). Gewichtsabnahme bei Übergewicht.
- Operation: Bei mittelschwerer bis schwerer OA, die nicht auf konservative Behandlung anspricht [4]:
- Arthroskopie: Sehr begrenzte Rolle; primär für begleitende mechanische Probleme wie Labrumrisse oder freie Gelenkkörper.
- Osteotomie: Heutzutage seltener; primär für jüngere Patienten mit spezifischen Deformitäten.
- Endoprothetik (Totale Hüftendoprothese - TEP): Hochwirksame chirurgische Standardbehandlung für Hüftarthrose im Endstadium, die eine signifikante Schmerzlinderung und funktionelle Verbesserung bietet.
Referenzen
- Hochberg MC, Altman RD, April KT, et al; American College of Rheumatology. American College of Rheumatology 2012 recommendations for the use of nonpharmacologic and pharmacologic therapies in osteoarthritis of the hand, hip, and knee. Arthritis Care Res (Hoboken). 2012 Apr;64(4):465-74. (Oder neuere ACR/EULAR-Richtlinien).
- Skinner HB, McMahon PJ. Current Diagnosis & Treatment in Orthopedics. 5th ed. McGraw Hill; 2014. Chapter 2: Arthritis & Related Conditions & Chapter 6: Hip & Femur Trauma (Sections on OA).
- Resnick D, Kransdorf MJ. Bone and Joint Imaging. 3rd ed. Elsevier Saunders; 2005. Chapter on Hip Imaging.
- Canale ST, Beaty JH. Campbell's Operative Orthopaedics. 13th ed. Elsevier; 2017. Section on Hip Arthroplasty and Arthritis.
Siehe auch
- Achillessehnenentzündung (Paratenonitis, Achillobursitis)
- Achillessehnenverletzung (Verstauchung, Riss)
- Verstauchung von Sprunggelenk und Fuß
- Arthritis und Arthrose (Osteoarthrose):
- Autoimmune Bindegewebserkrankungen:
- Ballenzeh (Hallux valgus)
- Epikondylitis ("Tennisarm")
- Hygrom (Ganglion)
- Gelenkankylose
- Gelenkkontrakturen
- Gelenkluxation:
- Kniegelenksverletzung (Bänder und Meniskus)
- Metabolische Knochenerkrankung:
- Myositis, Fibromyalgie (Muskelschmerzen)
- Plantarfasziitis (Fersensporn)
- Tenosynovitis (infektiös, stenosierend)
- Vitamin D und Parathormon



